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< Interview zur Lesung Emmanuel Mbolela-Domradio


22.03.2016

Integration

Mit dem Roller geht's zur Arbeitsstelle

Mit viel Fleiß hat Muhammad Yousaf die Prüfung für seinen Rollerführerschein auf Deutsch bestanden. Der Pakistani Muhammad Yousaf lebt seit Anfang 2015 in Deutschland und hat in Euskirchen eine neue Heimat gefunden. An einer städtischen Schule paukte er Deutsch und legte seine Rollerprüfung ab, um vier Tage in der Woche zu seiner Arbeitsstelle fahren zu können.


Der Pakistani Muhammad Yousaf lebt seit Anfang 2015 in Deutschland und hat in Euskirchen eine neue Heimat gefunden. An einer städtischen Schule paukte er Deutsch und legte seine Rollerprüfung ab, um vier Tage in der Woche zu seiner Arbeitsstelle fahren zu können.

Zülpich-Weiler

Fragt man Muhammad Yousaf nach dem Grund für seine Flucht aus Pakistan, hält er kurz inne und antwortet in gebrochenem Deutsch: „Ich musste weg. Die Taliban und die Armee haben mich verfolgt“, sagt der Flüchtling, der seit März 2015 in Deutschland ist. „Ich habe ein paar Sachen gepackt und bin weg. Ich habe meine drei Kinder zurücklassen müssen. Hier ist mein Leben aber sicher. Das ist wichtig“, sagt er – und ist den Tränen nahe, wenn er an seine Familie denkt.
„Ich bin allen so dankbar. Ich möchte so viel zurückgeben"

In seinem Heimatland habe er gut verdient und ein gewisses Ansehen gehabt. Unter anderem habe er als Bereichsleiter einer Bank gearbeitet und seine eigene Saftfabrik geführt, so Yousaf.
„Das ist hier natürlich anders. Das soll sich ändern“, so der 50-Jährige, der möglichst schnell wieder auf eigenen Füßen stehen will. Deshalb hat der Pakistani in den vergangenen Wochen und Monaten eifrig die Schule in Euskirchen besucht und Deutsch gelernt. Mit Erfolg: Yousaf hat nun seinen Mofa-Führerschein gemacht und die theoretische Prüfung auf Deutsch bewältigt.

Mittlerweile fährt er mit seinem eigenen Roller von Weiler in der Ebene viermal in der Woche bis nach Kuchenheim, um dort in einer Bäckerei zu arbeiten. „Ich helfe überall dort, wo ich nur kann und gebraucht werde“, so der 50-Jährige, der während der Probezeit so überzeugt hat, dass er nun einen zunächst auf sechs Monate befristeten Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Den Roller hat er sich von seinem zusammengesparten Lohn gekauft. „Ich bin allen so dankbar. Ich möchte so viel zurückgeben“, so Yousaf.
Einen Vertrag für seinen Fleiß

Für Uwe Zerpowski ist Yousaf ein „Vorbild für alle Flüchtlinge“. Seit Beginn des vergangenen Jahres ist Zerpowski in Weiler in der Ebene der Ansprechpartner für die dort untergebrachten Flüchtlinge, auch wenn dies kein offizielles Amt ist. Doch er ist viel mehr als „nur“ Ansprechpartner. Uwe Zerpowski ist für die Flüchtlinge so etwas wie der Kümmerer. Und er kümmert sich auch regelmäßig um Yousaf und unterstützt ihn, wo er nur kann. So hat er beispielsweise mit ihm einen Lebenslauf erstellt und begleitet ihn bei Behördengängen.

„Ich freue mich für ihn, dass er langsam aber sicher in Deutschland ankommt und wieder eine Aufgabe hat“, so Zerpowski. Er würde sich wünschen, dass andere Flüchtlinge dem Beispiel von Yousaf nacheifern: „Hier werden so tolle Angebote ins Leben gerufen, die aber  einfach nicht genutzt werden. So kann das nicht funktionieren.“


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